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Götter und Dämonen – Lovely Bali

Es gibt wenige Dinge, die mir mehr Spaß machen als fotografieren und reisen. Wenn beides zusammen kommt, bin ich der glücklichste Mensch der Welt. Während ich reise, verfluche ich mich ständig dafür, mein (natürlich abgespecktes) Equipment mit mir rumschleppen zu müssen. Kaum zuhause angekommen ist alles vergessen, weil ich mir meine Bilder ansehen kann und mich an so viele tolle Eindrücke und Momente erinnere, die sonst nach und nach verblassen würden. Deshalb nehme ich Folgende Dinge bei jeder Reise erneut auf mich:

– mich regelmäßig vom Kameragurt wundscheuern zu lassen

– die schwere Kamera in der schwitzigen Hand zu halten bis sich die Gummierung verabschiedet

– mir die unstaubigsten Ecken für den Objektivwechsel zu suchen

– am Flughafen erst alles auseinander nehmen zu müssen, um dann noch einen Abstrich von Kamera und Objektiven machen zu lassen, ob auch keine Sprengstoffspuren daran zu finden sind

– zu hoffen, dass niemand abends ins Zimmer einbricht und die Kamera klaut

– lieber nicht ins Wasser zu gehen weil – die Kamera!!

Aber ich bereue es nie, weil – es lohnt sich einfach viel zu sehr und macht mir riesig Freude.

Jetzt ist es wieder soweit – morgen fliege ich mitsamt Freund, Rucksack und Kamera 3 Wochen nach Laos und nochmal eine Wochen nach Kambodscha und bin schon schrecklich aufgeregt! Deshalb dürft ihr heute die Fotos von meiner letzten Reise nach Bali angucken. Ich habe dort schon ein bisschen mein Herz verloren, weil es dort einfach so unglaublich schön ist und die Leute herzlich, hilfsbereit und freundlich sind. Wir waren kurz vor dem balinesischen Neujahrsfest, genannt Nyepi dort und haben deshalb viele tolle Zeremonien, Prozessionen und Umzüge miterleben dürfen. Der unbeschreibliche Flair von Ubud lässt sich kaum in Wort fassen und um 7h früh alleine mit diesem Indiana-Jones Feeling Gunung Kawi und danach Tirta Empul zu erkunden, ist ebenfalls kaum zu beschreiben. Die Reisterrassen von Jatiluwih brennen sich in dein Gedächtnis ein man steht ehrfürchtig da, angesichts solcher Schönheit. Wer leckeres Essen schätzt, ist in Bali ebenfalls gut aufgehoben. Ich schwärme immer noch für Beef Rendang und flippe jedesmal aus, wenn mein Freund es für mich kocht, weil ich mich gleich wieder wie auf Bali fühle.

Die Insel hat so viele wunderbare Ecken, aber auch ziemlich scheußliche – Kuta zum Beispiel. Laut, hässlich, hektisch, stinkend, 4 Drogendealer innerhalb von 20 Minuten, die einem Magic Mushrooms, Viagra, Gras oder Extasy andrehen wollen,  betrunkene Touristen die viel zu wenig anhaben… 30 Minuten und 10 km später ist man raus aus der Stadt und denkt sich: „Wie jetzt? Anderer Planet oder echt gleiche Insel?“, wenn man inmitten von Reisfeldern sitzt, die Ruhe genießt und versucht mit dem ganzen GRÜN zurecht zu kommen, das schon fast in den Augen weh tut, weil es so satt und kräftig ist.

Jedenfalls waren die 18 Tage, die wir dort waren, viel zu kurz um alles zu sehen und zu erkunden. Dank meines Lieblingsreiseführers Lonely Planet, in den ich mich bei jeder Reise intensiv vertiefe, habe ich mich auch auf Bali ganz gut zurecht gefunden und habe einige Dinge gelernt: Die offizielle Religion Balis ist der Hinduismus, der aber doch ein wenig anders ist, als z.B. die indische Form. Sie verehren die Götterdreiheit Brahms, Shiva und Vishnu, sowie Deva, Gottheiten der Erde, des Feuers, des Wassers und der Berge. Also eine ganze Menge. Um diese gnädig zu stimmen und auch um die Dämonen zu versöhnen, werden ständig und überall Opfergaben dargebracht. Den ganzen Tag über kann man Frauen beobachten, die mal größere, mal kleinere Opfergaben in die über 10 000 Tempel des Landes auf ihren Köpfen dort hin balancieren. Kultstätten findet man eigentlich überall: auf dem Gehweg, am Strand, an Bäumen oder Reisterrassen. Die Spiritualität der Balinesen ist allgegenwärtig und so wundert man sich auch nicht mehr, Einheimische mitten im Verkehrstrubel Kulthandlungen ausführen zu sehen. Die Gehwege liegen voller kleiner Schälchen aus Bananenblättern. Diese sind gefüllt mit Blütenblättern, meist brennt ein Räucherstäbchen darauf und dann liegt noch eine weitere Opfergabe darin. Das kann alles mögliche sein: ein Keks, Schokolade, eine Zigarette oder Ähnliches. Wenn die Opfergaben auf dem Boden liegen sind sie für die Dämonen, wenn sie erhöht liegen, sind sie für die Götter. Am Anfang habe ich mich immer totgeschämt, wenn ich schon wieder auf eine am Boden liegende Gabe getreten bin, aber das finden die Balinesen überhaupt nicht schlimm: in dem Moment, in dem die Gabe den Boden berührt ist sie erbracht und danach ist es auch egal, ob jemand drüber läuft oder sich der Straßenhund den Keks daraus klaut.

Was ich auch schön finde: die Balinesen glauben, dass ein Baby die Reinkarnation eines Vorfahren ist und ehren es dementsprechend. So wird das Kind in den ersten drei Monaten NUR getragen, da es den „unreinen“ Boden bis zu dem Reinigungsritual nicht berühren darf. Eine Sache, die ich am eigenen Leib erfahren konnte, aber erst ein paar Stunden später gelernt habe: das Heranwinken funktioniert auf Bali anders als bei uns in Deutschland. Und zwar mit ausgestreckter Hand und einer nach UNTEN gerichteten Hand beim Winken. Alles andere wäre extrem unhöflich. Für mich als Europäer sah es aber leider aus wie ein: „Verzieh dich!“ und ich bin mit hängenden Schultern von Dannen gezogen, anstatt mir im Kreise der Dorfbewohner die Zeremonie in dem abgelegenen Mini Tempel anzusehen, zu der sie mich eigentlich „eingeladen“ hatten. Verdammt.

Ich könnte euch noch mindestens 5 weitere Absätze Text schreiben, wie toll es dort war. Wer bis hierher gelesen hat – Respekt und ein Keks von mir (bitte persönlich abholen!). Fazit: Bali – ich bin entzückt!!

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